Klinsmann zum 1. FC Köln oder ins Twitter-Nirvana?

Der ehemalige Bundes-Fußball-Lehrer, FC Bayern-Fast-Umgestalter – und nebenbei auch Trainer – Jürgen Klinsmann eröffnet einen Twitter-Account, um nach einigen privaten und halbberuflichen Kurznachrichten einen Hammer zu veröffentlichen? Folgendes zwitscherte am 8. Juni 2009 über den Kanal @jklinsmann:

All journalists should have received their invitation for a press conference of 1. FC Köln tomorrow. Guess what will be the news 🙂

Auf gut Deutsch: „Liebe auserwählte Twitter-Fans, meine Wenigkeit wechselt als Trainer zum 1. FC Köln, was erst morgen offiziell bekanntgegeben wird.“ – Ob das mal kein Fake ist?

Einen Tag nach dem Twit wissen wir mehr. Bis dahin nehmen wir diese Klinsmann-Köln-Twitter-Geschichte mal zum Anlass für eine kleine Pominenten-Twitter-Grundsatz-Überlegung:

Klinsmann & Co. auf Twitter – warum?

Während in Deutschland Twitter noch etwas Spielerei für Insider ist, hat sich Twitter in den USA schneller durchgesetzt. Prominente – aber auch Firmen – können versuchen dieses Werkzeug als Marketing-Instrument einzusetzen.

Jürgen Klinsmann muss sich selbst bei seinen Fans vermarkten?

Diese Frage dürfte wohl zu verneinen sein; obgleich man vielleicht argumentieren könnte, dass damit eventuell eine Image-Aufwertung erreichbar sein könnte. Fußball-Fans sind nicht immer die handsamsten Zeitgenossen. Als prominenter Twitter-Nutzer könnte man seinen eigenen Medienkanal aufbauen und in hitzigen Zeiten der Presse den Wind aus den Segeln nehmen.

Ob Klinsmann in den letzten Wochen als Trainer beim FC Bayern München noch die Wogen seitens der Fans geglättet hätte, ist fraglich. Aber hier verhält es sich wie mit einer eigenen Homepage: Die eigene Sicht der Dinge lässt sich dadurch wunderbar darstellen.

@jklinsmann nur ein Klinsmann-Fan?

Die Gefahr dieser neuen Kanäle ist aber auch Identitätsklau. Es ist vergleichbar mit dem anmelden einer Domain – z.B. http://www.juergen-klinsmann.de. Jeder kann dies tun. Ebenso wie jeder den Twitteraccount @jklinsmann anlegen kann. Einziger Unterschied: Bei der Denic kann man den Eigentümer der Domain namentlich herausfinden. Bei Twitter fehlt eine solche Validierungs-Möglichkeit – das soll sich aber schon bald ändern: Twitter arbeitet an einer Validierung für Prominente.

Über die Gefahren von Identitätsklau brauchen wir nicht zu diskutieren, das steht woanders. Es ist momentan die Frage, wie lange es dauern wird, bis es die ersten rechtlichen Schritte gegen Twitter-Faker geben wird.

Was hat der Faker aber davon, sich als neuer FC-Trainer für einen Tag auszugeben, oder den Klinsmann zu mimen, bis ihm sowieso mal irgendwann alle draufkommen? – Nun: Schonmal tausende von Zuhörern gehabt? Was würdest Du damit machen? Dem einen wird vielleicht sogar die Menge an Leuten reichen, die ihm zuhören und wichtig nehmen. Der andere könnte aber auch auf die fast bösartige Idee kommen, damit Geld zu machen.

Sich über ein paar Monate eine kleine Fangemeinde aufzubauen dürfte mit einem Prominenten-Twitter-Account durchaus machbar sein. Regelmäßig ein paar interessante Neuigkeiten streuen und irgendwann dann mal eine Produktempfehlung einbauen? Oh ja, natürlich ein eigenes Produkt oder eine eigene Dienstleistung oder die Leute auf eine eigene Internetseite führen, auf der die Klicks Geld bringen usw.

Klingt für mich nach Betrug – also Vorsicht! – Von den Denunzierungs-Möglichkeiten gegen einen gehassten Promi brauche ich ja gar nicht zu schreiben.

I follow @jklinsmann

Auf der anderen Seite steht natürlich auch der Zuhörer – bei Twitter Follower genannt. Wie kann man sich als Follower sicher sein, dass man es wirklich mit einem echten Promi zu tun hat, der vom Zähneputzen bis zum Telefonat mit der Ex scheinbar alles ausplaudert? – Vergangene Woche konnte man sich überzeugen, dass der Twitter-Account von Thomas D (wohl @thomasdofficial) tatsächlich echt ist. Thomas D hat das in einem Interview bei Bayern 3 persönlich bestätigt.

Das heißt: Bis die Twitter-Validierung kommt, ist man auf ehrliche Quellen angewiesen, wie eine offizielle Webseite, auf der auf den Twitter-Account hingewiesen wird. Oder tatsächlich die höchstpersönliche Aussage des wahrhaftigen Menschen in einem Interview oder sonstwo. Bis eine solche Quelle gefunden ist, sollte man solange von einem Fake ausgehen.

Oder die Bestätigung der Trainer-Sensations-Meldung von Klinsmann erstmal auf morgen verschieben.

Die Auflösung des Klinsmann-Fake-Accounts findet man hier. Und persönlich beim Erfinder hier.

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